Winter wonderland – nur für Autos?

Verkehrschaos, Stau und entnervte Menschen – der Winter hält wieder Einzug. Die Wut über diese zwanghafte Einschränkung in der Mobilität rührt vielleicht von der Ohnmacht gegenüber natürlicher Einflüsse her. Trotz der Armee an Schneeräumfahrzeugen, moderner Antriebstechnik und Routenplanung stockt es immer wieder im Verkehrsfluss. Doch was erscheint dort im Augenwinkel? Tatsächlich ein Radfahrer, der sich über den schneebedeckten Radweg kämpft. Welch bemitleidenswerter Anblick! Da relativieren sich die Probleme doch gleich etwas. Schnell nochmal die Sitzheizung eine Stufe hoch und auf die nächste Grünphase warten.

So spielt es sich zur Zeit wohl vielerorts ab, der Radverker ist im Winter immer rückläufig. Tiefe Temperaturen und Glätte (über-) füllen die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel, während die Radwege verwaisen. Doch bei genauerer Betrachtung verwaisen sie keineswegs, sondern stehen großzügig für die Aufnahme von Schnee zur Verfügung. Entweder der Schnee der Straße oder des Fußwegs kommt dort zur Ablagerung und verengt die effektiv nutzbare Breite des Radwegs auf ein Minimum. Geräumt ist zwar fast jeder Radweg, das ist sicherlich ein Fortschritt, aber leider nicht in der Art und Weise, wie es für die sichere Nutzung eines Fahrrads nötig wäre. Denn Rad- und Fußweg sehen zur Zeit identisch aus, obwohl sich die Fortbewegungsart fundamental unterscheidet. Es wird übersehen, dass die geringe Auflagefläche zweier Reifen ein hohes Rutschpotential birgt, während zwei Füße auch bei lockerem Schnee das aufrechte Gehen stets gewährleisten können. Ich würde mir ein Vorankommen auf Wegen ohne hinterlistiges Schneemus und canyontiefe Spurrillen wünschen. Und jetzt kommen Sie mir ja nicht mit dem ewig gestrigen Argument, dass Radfahrer keine Steuern zahlen und deswegen auch nicht deren Wege geräumt werden sollten. Denn wer das ernst meint, hat noch nicht verstanden, dass Mobilität ein ganzheitliches, integratives Konzept braucht. Der Aufstieg des Autos zur Monokultur hat schließlich genug ökologische und städtebauliche Probleme hervorgebracht. Mit der Schaffung von Anreizen zur Nutzung des Rades wird der motorisierte Verkehr vermindert und die Lebensqualität steigt – bitte auch im Winter!

Wie sieht die Situation im Umland aus? Wenn wie links im Bild (bei Straßlach oberhalb des Isarkanals) das Bike auch ohne Anlehnen steht, dann befindet man sich zwar auf ausgeschriebenen Radwanderwegen, aber die Nutzung scheint im Winter nicht erwartet zu werden. Rechts ein außerorts vorbildlich geräumter Radweg (Tölzer Str. von Straßlach nach Grünwald), der sich innerorts zum Schneehaufen verwandelt. Dann kann ganz legitim auf der Straße gefahren werden.

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